Plan B (english version)
We humans spend a great deal of time filling up our soul-hole with fame, fortune, wars and Red Bull. In reality, the hole just gets deeper and deeper. It is our body we must listen to if we ever want to dig our way out. That’s where Plan B—or Plan C, or Plan D, for that matter—comes in.
The first thing to face up to, is death. I am seventy-five, not forty-five. I may like to kid myself into thinking I am still forty-five, but the minute I use my body as if it were thirty years younger, that’s when the shit hits the fan. And the body has numerous ways of getting my attention: headaches, insomnia, and concentration gaps, to name a few. If I still refuse to listen, there are other goodies/baddies it can resort to. We all know this, but isn’t there always a siren luring us with the joys of that next drink, that next smoke, or that next compliment?
OK, back to Plan B in my case: First off, I like to work. That’s an understatement—I love to work. For most of my life, I have been privileged to do what I wanted to do and still found a way to survive financially. But I do not always respect limits. Luckily, up to now, I have not suffered a stroke or a heart attack. While society accepts and often applauds the workaholic, it is important to watch for signs of addiction. Otherwise, by refusing to pay attention to the Ps and Qs my body is blaring at me, I might easily become the fucked-up, sick asshole neither I nor anyone else wants to be around.
As of late, I have been burning the candle at both ends, resulting in exhaustion, poor sleep, loss of appetite, double vision, and dizziness. Thank God I have kids and they are adamant. So, I went through all the motions conventional medicine could offer: brain scans, blood tests, and questions from the neurologist. Nothing ominous was found, but all along I knew what I had to do: I had to figure out Plan B.
Spend less time doing what I love most? That’s a hard nut to crack. How about just a little less time? Trash the illusion that I only need six hours of sleep and figure a half-hour nap into my afternoon schedule. When I see double, close my eyes for a few minutes. Smaller portions of things I like to eat, at shorter intervals during the day, work out nicely, too.
Of course, there are Schweinehunds to overcome, but who the hell ever convinced us we had to CHANGE COMPLETELY???!!! I prefer Anne Lamott’s suggestion: Bird by bird. I may never have been crazy about sports, but I can do seven minutes of Qi Gong every morning and practice standing on one leg while waiting for the tram. Walk to the store and back. If it’s pouring rain or my knees hurt, even miss the Fridays for Future demo.
And I do have a few good habits to hang on to. Like praying, doing my laundry on time, and enjoying coffee in the afternoon with friends. Friends… big point. Always keep a couple close and treat them right, because alone, one gets older and crankier faster than need be. Also, I find my young friends quite invigorating! Who says they are going to mess up the world any worse than we did?
So, how does my Plan B look? I get up when I’m rested, start the day with coffee, my cat, and my higher power, and then, respecting my bio-rhythm, use the morning hours for work. Afternoons are for family, friends, and errands. (Errands… that’s a crazy one; I actually enjoy going for groceries now. I never know what adventure might be waiting for me in the line at Aldi!) Evenings, when the creative battery needs to be recharged, I chat on the phone with friends farther away, watch my favorite series, and darn socks.
As Oscar Wilde said: Everything is going to be fine in the end. If it's not fine, it's not the end. So the challenge remains. But who says challenge can’t be fun, no matter the age or the bad habit?
I like Plan B. For a little less, I get a little more. Happiness, that is.
23.02.26
Plan B (deutsche Version)
Wir Menschen verbringen viel Zeit beim Versuch, unser Seelenloch mit Ruhm, Reichtum, Kriegen und Red Bull zu füllen. In Wirklichkeit wird das Loch immer tiefer. Es ist unser Körper, auf den wir hören müssen, wenn wir uns jemals da rausbuddeln wollen. Das ist der Moment, in dem Plan B – oder Plan C oder meinetwegen Plan D – ins Spiel kommt.
Das Erste, das wir ins Auge fassen sollten, ist der Tod. Ich bin fünfundsiebzig, nicht fünfundvierzig. Ich mag mir zwar gerne etwas vormachen und denken, ich sei es, aber in dem Augenblick, in dem ich meinen Körper so benutze, als wäre er dreißig Jahre jünger, ist die Kacke am Dampfen. Und der Körper hat zahlreiche Wege, meine Aufmerksamkeit zu erregen: Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Konzentrationslücken, um nur einige zu nennen. Wenn ich mich immer noch weigere zuzuhören, gibt es andere Goodies/Baddies, auf die er zurückgreifen kann. Wir alle wissen das, aber lockt da nicht immer eine Sirene mit den Freuden des nächsten Drinks, der nächsten Zigarette, des nächsten Kompliments?
Okay, zurück zu Plan B in meinem Fall: Erstens, ich arbeite gern. Das ist untertrieben – ich liebe es zu arbeiten. Die meiste Zeit meines Lebens hatte ich das Privileg, das zu tun, was ich tun wollte, und o Wunder, fand ich immer einen Weg, finanziell zu überleben. Aber ich respektiere nicht immer Grenzen. Glücklicherweise habe ich bis jetzt weder einen Schlaganfall noch einen Herzinfarkt erlitten. Während die Gesellschaft den Workaholic akzeptiert und oft applaudiert, ist es wichtig, auf Anzeichen von Sucht zu achten. Wenn ich mich weigere, auf die Ps and Qs zu achten, die mein Körper mir entgegenschleudert, kann ich leicht zu dem fucked-up, kranken Arschloch werden, das weder ich noch sonst jemand um sich haben will.
In letzter Zeit habe ich die Kerze an beiden Enden brennen lassen, was zu Erschöpfung, schlechtem Schlaf, Appetitlosigkeit, Doppelsichtigkeit und Schwindel führte. Gott sei Dank habe ich Kinder, und die sind hartnäckig. Also bin ich das volle Programm der Schulmedizin durchlaufen: Gehirnscans, Bluttests und Fragen vom Neurologen. Es kam nichts Schlimmes dabei heraus, aber ich wusste, was fällig war: Plan B.
Weniger Zeit mit dem verbringen, was ich am meisten liebe? Für den Anfang eine harte Nuss. Wie wäre es mit nur ein bisschen weniger Zeit? Oder die Illusion aufgeben, nur sechs Stunden Schlaf zu brauchen, sowie einen halbstündigen Mittagsschlaf in meinen Tagesablauf einbauen? Sehe ich doppelt, für ein paar Minuten die Augen schließen. Kleinere Portionen von Dingen, die ich gerne esse, in kürzeren Abständen über den Tag verteilt, funktionieren auch ganz easy.
Natürlich gibt es Schweinehunde zu überwinden, aber wer zum Teufel hat uns eigentlich eingeredet, wir müssten uns KOMPLETT ÄNDERN???!!! Ich bevorzuge Anne Lamotts Vorschlag: Bird by bird. Sport ist nicht mein Ding, aber jeden Morgen sieben Minuten Qi Gong kriege ich schon hin. Zum Supermarkt hin und zurück laufen. Auf einem Bein balancieren, während ich auf die Straßenbahn warte. Und wenn es in Strömen regnet oder meine Knie wehtun, ist es OK, die Fridays-for-Future Demo zu verpassen.
Ich habe sogar ein paar gute Gewohnheiten! Wie beten, pünktlich die Wäsche waschen und nachmittags Kaffee mit Freunden trinken. Freunde … wichtiger Punkt. Behalte immer ein paar in deiner Nähe und sei lieb zu ihnen, denn alleine wird man schneller als nötig alt und griesgrämig. Und die jungen Freunde sind so refreshing! Wer sagt denn, dass sie die Welt schlimmer vermasseln werden als wir?
Wie sieht also mein Plan B aus? Ich gehe zu einer vernünftigen Zeit schlafen und stehe auf, wenn ich ausgeruht bin. Den Tag beginne ich mit einer Tasse Kaffee, meiner Katze und meiner Höheren Macht. Danach, unter Berücksichtigung meines Biorhythmus, nutze ich die Morgenstunden für die Arbeit. Nachmittage sind für Familie, Freunde und Erledigungen reserviert. (Erledigungen … das ist eine verrückte Sache. Ich genieße die To-Does mittlerweile. Man weiß nie, welches Abenteuer in der Schlange bei Aldi auf einen warten kann!) Abends, wenn die kreative Batterie wieder aufgeladen werden muss, telefoniere ich mit weiter entfernten Freunden, schaue Lieblingsserien und stopfe Socken.
Wie Oscar Wilde sagte: Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. Die Herausforderungen bleiben also bestehen. Aber wer sagt, dass Herausforderungen keinen Spaß machen können, egal in welchem Alter oder bei welcher schlechten Gewohnheit?
Ich mag Plan B. Für ein bisschen weniger bekomme ich ein bisschen mehr. Lebensfreude, meine ich.
23.02.26